Öffentlich-rechtlicher Rundfunk und das Medium Internet
Der Öffentlich-rechtliche Rundfunk im
Spannungsfeld von Demokratie, Öffentlichkeit und Internet
Magisterarbeit im
Fach Politikwissenschaft, vorgelegt von R. Rall im August
2000
Gutachter: Prof. Hans Karl Rupp und Dr. Rainer Rilling
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| Zusammenfassung: Die großen Vermittler von Politik, Information und auch Werthaltungen sind heute die elektronischen Massenmedien wie Fernsehen und Radio. Ihnen obliegt die Aufgabe der Herstellung einer demokratischen Öffentlichkeit. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist qua Auftrag in besonderer Weise den immanenten Idealen der Öffentlichkeit (Gleichheit, Unabhängigkeit, Pluralität, gleichberechtigter Partizipation und gesamtgesellschaftliche Integration) verpflichtet. Von der Erfüllung dieser Ideale ist die audiovisuelle Öffentlichkeit jedoch weit entfernt, wofür u.a. die Einseitigkeit des Informationsfuß in den Medien verantwortlich gemacht wird. Das Internet ist in seiner "strukturellen Verfaßtheit" entgegen seinen Vorläufern, ein Medium, welches nicht einer vorherbestimmten Nutzung unterliegt und eine "echte" Wechselwirkung zwischen Empfänger und Sender möglich macht. Das Netz benötigt keine Broadcaster (keine zentralen Veranstalter) mehr, sondern es baut gerade auf Dezentralität auf. Informationen können direkt beim Erzeuger abgeholt werden. Ist damit das Ende der großen Vermittler besiegelt? Deshalb werden aus demokratietheoretischer Sicht fiele Hoffnungen mit der Einführung der neuen Technik verbunden. Die Arbeit untersucht ob diese Hoffnungen berechtigt sind und kommt zu dem Ergebnis, dass sich eine "demokratischere" Öffentlichkeit nicht automatisch mit der Einführung der neuen Technik entwickeln wird. Mit einigen Entwicklungen des Internets (vollkommene Kommerzialisierung, Fragmentierung des Publikums bei gleichzeitiger Konzentration und Verzahnung der Anbieter, Intransparenz, Verlust des Gefühls für das Wesentliche, Teilung der Gesellschaft in Informations-reiche und Informations-arme) sind gefahren für die Qualität der Öffentlichkeit im Internet verbunden. Der Öffentlich-rechtliche Rundfunk könnte mit einem Angebot der Grundversorgung einen Teil der Gefahren abfedern und einen weitestgehend unabhängigen Eichpunkt für Informationen und Meinungen darstellen. Allerdings müsste er dabei der multidirektionalen Kommunikation im Internet Rechnung tragen und andere Informationsverarbeitungsstrategien als im Rundfunk verfolgen. Eine Exemplarische Analyse einiger Angebote der ARD zeigt, dass diese größtenteils in der Selbstdarstellung des Sender, Wellen, Sendungen und Reaktionen besteht. Auch das Angebot an Informationen besteht meist in der Übernahme von Material, welches schon in den beiden anderen Medien gesendet wurde und wird somit der Internetöffentlichkeit nicht vollständig gerecht. Der zweite Schwerpunkt der Arbeit liegt in den zu erwartenden Auswirkungen des Vielkanalmediums Internet auf die Öffentlich-rechtliche Sender. Das Fernsehen wird in mittelbarer Zukunft, vor allem als Unterhaltungsmedium, nicht verschwinden, aber seine Nutzungsanteile werden schrumpfen. Die großen Inhalteanbieter der alten Medien werden auch im Internet eine große Rolle spielen, welches an deren strukturellen Vorteilen liegt. Vor allem die private Medienwirtschaft hat sich auf diese Veränderungen eingestellt und investieren in diesem Bereich wesentlich umfangreicher als die Öffentlich-rechtlichen. Dieses kann vor allem in Hinblick auf die Einführung des digitalen Fernsehens und dessen Zusatzdienste ein strategischer Nachteil sein. Die Informationsgesellschaft wird durch zwei Medien geprägt: Das Internet und das digitale Fernsehen. Die Einführung des Letzteren und dessen Auswirkungen auf das duale Rundfunksystem (den öffentlich-rechtlichen Rundfunk) wird von der Öffentlichkeit und der Wissenschaft relativ genau verfolgt. Weitgehend unbeobachtet sind dagegen die Auswirkungen des Internets auf das bestehende Mediensystem und auf das Verhältnis (öffentlich-rechtlicher) Rundfunk - Internet. Diese Arbeit stellt einen erste Annäherung an diese noch im dunkel liegende Forschungsgebiet dar. |
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